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Mit Schaufeln und Bagger dem grossen Ziel entgegen

Mit dem symbolischen Spatenstich hat die Stiftung allani heute Donnerstag den Um- und Ausbau des ersten Kinderhospizes in der Schweiz begonnen. Im Winter 2023/24 sollen die ersten Kinder mit lebenslimitierenden Krankheiten und ihre Eltern in einem schönen Zuhause auf Zeit empfangen werden.



Von links nach rechts: Thomas Nissille (Architekt), Flavia Wasserfallen (Nationalrätin), Patrick Schafer (Katholische Kirche Bern), Susanne Peter (Präsidentin allani-Stiftungsrat), Uli Bender (Oberarzt Insel Gruppe), Heinrich Cotting (Heinz Schöffler-Stiftung). Foto: bild-schoen gmbh


Der Baggerführer hat schon mal Mass genommen für den Aushub, der nächste Woche be­ginnt: An der Riedbachstrasse 348 werden das bestehende Bauernhaus und das angrenzende Stöckli an die Bedürfnisse eines Kinderhospizes mit acht Pflegezimmern, vier separaten Eltern­zimmern, Therapie-, Aufenthalts- und Büroräumen, mit einer Gastronomieküche, zwei Essbe­reichen, einem behaglichen Wohnbereich und einem grossen Lagerraum unterhalb der bestehenden Garage angepasst.


Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Heinz Schöffler-Stiftung, die zusammen mit der Katholischen Kirche Region Bern im Sommer 2021 den Kauf der Liegenschaft ermöglicht hat, mit Nationalrätin Flavia Wasserfallen und Architekt Thomas Nissille hat das allani-Team den Baustart mit Schaufeln, Bagger und Helmen gefeiert. «Die Eröffnung unseres Kinderhos­pizes rückt sichtbar näher. Was wir vor sechs Jahren mit der Gründung eines Vereins gestartet haben, nimmt nun immer konkretere Formen an. Wir freuen uns sehr auf diesen nächsten Meilenstein», fasst Susanne Peter, Präsidentin der Stiftung allani Kinderhospiz Bern, die Ge­fühlslage aller Beteiligten zusammen.


In der Schweiz leben mehr als 5’000 Kinder mit lebenslimitierenden Krankheiten ohne Aussicht auf Heilung. Während es in Europa über 300 Kinderhospize gibt – allein deren 20 in Deutsch­land –, fehlt in der Schweiz dieses stationäre Angebot der Palliative Care für betroffene Kinder, ihre Eltern und Geschwister. «Es gibt einen grossen Bedarf für Familien mit lebenslimitierend erkrankten Kindern. Es braucht die Stiftung allani, um diese Familien besser unterstützen zu können. Ich bin tief beeindruckt vom Fokus und dem jahrelangen Engagement der allani-Ver­antwortlichen», sagt Nationalrätin Flavia Wasserfallen, die sich als Mitglied der nationalrätli­chen Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit immer wieder für die Bedürfnisse von Kindern und ihren Familien einsetzt. «Kinderhospize fallen leider politisch und gesetzlich durch alle Maschen. Es fehlt eine gesicherte Finanzierung auf Bundes- und kantonaler Ebene, was wir politisch lösen müssen.»


Der für den Umbau verantwortliche Architekt Thomas Nissille schätzt die Umbauzeit auf 12 bis 14 Monate. «Beide Gebäude stehen unter Denkmalschutz, was die Planung und Umsetzung aufwendiger macht. Vor allem die Restauration des Stöcklis, das aus dem Jahr 1832 stammt, wird viel Zeit benötigen. Aber wir haben von den lokalen und regionalen Unternehmen grund­sätzlich positive Signale erhalten, sodass wir den Fahrplan sollten einhalten können.»


Heute verbringen Kinder mit lebenslimitierenden Erkrankungen viel Zeit und meist auch ihren letzten Lebensabschnitt in Spitälern. «Ihre Betreuung ist durch häufige Wechsel zwischen Spital und Zuhause geprägt», weiss Hans-Ulrich Bender, Oberarzt für Palliative Care an der Kinderklinik der Insel Gruppe. Eine Betreuung zu Hause sei ein grosser Wunsch der Familien. Dem stehe aber ein geringes Mass an medizinischer Sicherheit gegenüber, was Angst und Unsicherheit auslösen könne. «Mit einem Kin­derhospiz schafft allani einen Ort, an dem sich medizinische Sicherheit und Geborgen­heit in einem Zuhause auf Zeit die Hand reichen», unterstreicht Bender die Bedeutung eines Kinderhospizes. «Gleichzeitig werden Sterben und Trauer als Teil des Lebens ak­zeptiert und erhalten Raum und Würde.»


Das allani Kinderhospiz Bern wird Platz für bis zu acht Kinder und ihre Angehörigen bieten. «Wir rechnen mit bis zu 150 Familien, die jährlich zu uns kommen werden», sagt Susanne Peter. Diese können im Riedbach regelmässig einzelne Tage, längere Zeiträume oder ihre letzte Lebensphase verbringen.


Der allani-Stiftungsrat rechnet mit Kosten von rund 5,9 Mio. Franken für den Um- und Ausbau der beiden Häuser sowie die Gestaltung der kinderfreundlichen Umgebung. Geld, das die Stiftung bis auf Weiteres zu 100 % über Spenden akquirieren muss. Noch sind die Kosten nicht vollständig gedeckt, «doch wir sind zuversichtlich, dass wir dank grosszügigen Spenden von Stiftungen und Unternehmen sowie der riesigen Unter­stützung aus der Bevölkerung die benötigten Mittel in den nächsten Monaten zusam­men haben», sagt Susanne Peter.


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